'Gedenkbuch seiner Reise nach Italien und Ägypten 1827 - 1830'
Transkription, Edition und mit Anmerkungen versehen von Christa Staub
Mit einem Beitrag von Jörg-Ulrich Fechner: "Abschied und Erinnerung - Friedrich Maximilian Hessemers Gedenkbuch von der Reise nach Italien und Ägypten und die Tradition des Stammbuchs"
Autor: Friedrich Maximilian Hessemer
Veröffentlichung: 2007
GHL-Nr.: 111
Zum Inhalt
Neben der Transkription der Texte des von F. M. Hessemer im Zusammenhang mit seiner
Reise nach Italien und Ägypten benutzten Gedenkbuchs informiert die Herausgeberin
über den Autor und seine Reise, die Besonderheiten des von Hessemer geführten
Freundschaftsbuchs und - in detaillierten Anmerkungen - über alle Personen, die mit
Eintragungen im Freundschaftsbuch vertreten sind. Zeittafel und Namensverzeichnis
erleichtern die Orientierung.
Jörg-Ulrich Fechners Aufsatz Abschied und Erinnerung bringt die Eigentümlichkeiten
des Gedenkbuchs in Zusammenhang mit der Tradition des Stammbuchs; ein Itinerarium des
Gedenkbuchs verdeutlicht die allmähliche Entwicklung der Summe der Eintragungen.
Faksimilierte Seiten aus dem Original vermitteln eine Vorstellung des - neben
wenigen zeichnerischen Darstellungen - hauptsächlich als Textsammlung ausgebildeten
Gedenkbuchs. Porträts eingetragener Freunde und Verwandter sowie zwei Porträts des
Autors ergänzen die Bebilderung.
Leseproben
" (...) Gott schütze Dich!
Meine Freude über Dein Glück soll stets den Schmerz überwiegen, den mir die Trennung
bereitet. Du kommst ja wieder und bewahrst mir Deine Liebe.
Indem ich Dir im Geiste über das Meer, in Ägypten und durch Palästina folge, gedenke ich
zugleich der Zeit, wo wir miteinander einen Teil Italiens durchwanderten. --- Nimm das
ganze Herz statt aller Worte, Du kennst es ja, und möge Dirs auch am Nil und in
Jerusalem freundlich erscheinen.
Lande gesund und fröhlich an Europa's Küste und kehre so heim in die ausgebreiteten
Arme Deiner Lieben.
Dein Wilhelm Ahlborn.
Rom, den 18ten Januar 1828. (...) " - Eintrag des Freundes Wilhelm Ahlborn,
Landschaftsmaler; * 1796 Hannover - † 1857 Rom
" (...) Die Bekanntschaft mit dem dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen pflegte Hessemer
in Rom. Thorvaldsen beurteilte in seinem Empfehlungsschreiben an das Städelsche Institut
die Arbeit an Hessemers sehr günstig, und Hessemer gesteht ‚beschämt', daß er dies in
solchem Maße nicht verdiene. Bewegt nehmen die beiden vor der Abreise nach Kairo
Abschied von einander. Als Hessemer nach seiner Rückkehr von dieser Reise Thorvaldsen
wieder besuchte, "empfing er [ihn], wie ein Vater den heimkehrenden Sohn, er umarmte
[ihn] einmal über das andere und küßte [ihn] und vor Rührung standen ihm die Augen voll
Tränen". (Nach: Hessemer, Reisebriefe, Bd. 2, S. 367) - Als sich Thorvaldsen im
Jahre 1841 kurz in Frankfurt aufhielt, nahm Hessemer die Gelegenheit wahr, ihm eine
Festrede in Versen zu widmen. Doch auch von Thorvaldsen gibt es keinen Eintrag in dem
Stammbuch. (...) - Christa Staub, Nachwort, S. 218
" (...) Umfangreicher noch als die Zitate aus der gedruckten Literatur sind die
poetischen Ergüsse der Einträger selbst. Wiederum ist nicht auszuschließen, daß das eine
oder das andere Textstück einem Vorlagebuch entnommen und vielleicht einem heute
vergessenen Verfasser zugehörig ist. In Ermangelung solcher Nachweise wird man jedoch
zunächst die Einträger als Verfasser ansehen müssen. Schon das eingeklebte Gedicht
Hessemers zeugt ja von einer ungemeinen Begabung im Dichten. Auch fällt die Vielfalt
der gewählten Strophenformen auf. Da stehen neben der italienischen Stanze (ottava rima)
das Sonett, klassische Versformen wie die sapphische Ode oder Distichen, aber auch
reimfreie Gedichte oder in dem langen Strophengedicht des deutschen Missionars in
Kairo Anklänge an das Kirchenlied (...) - Jörg-Ulrich Fechner, Abschied und Erinnerung,
S. 273
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